Eine Vertragsprüfung beginnt mit den tatsächlichen Unterlagen: Angebot, Vertrag, Anhänge und allfällig anwendbarer Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag (GAV/NAV). Diese Checkliste hilft dir, offene Fragen zu erkennen. Sie ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
1. Lohnbestandteile festhalten
Kläre, welche festen und variablen Bestandteile zugesichert sind und auf welcher Vereinbarung sie beruhen. Lass einen 13. Monatslohn, Bonusbedingungen, Pensum und Auszahlungsweise eindeutig festhalten. Ein genanntes Jahresgehalt sagt ohne diese Angaben noch nicht, wie die monatlichen Zahlungen aussehen.
2. Arbeitszeit und Mehrarbeit unterscheiden
Überstunden überschreiten die vereinbarte Arbeitszeit; Überzeit überschreitet die gesetzliche Höchstarbeitszeit. Dafür gelten unterschiedliche Regeln. Eine Klausel zur Abgeltung von Überstunden erlaubt deshalb keine pauschale Aussage über Überzeit. Prüfe die SECO-FAQ zu Überstunden und frage nach Erfassung und Ausgleich.
3. Probezeit prüfen
Bei unbefristeten privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen gilt grundsätzlich der erste Monat als Probezeit. Schriftliche Vereinbarungen, GAV oder NAV können abweichen. Befristete Verträge haben keine gesetzlich automatische Probezeit. Prüfe Dauer, Kündigungsfrist und besondere Regeln anhand der SECO-FAQ zur Kündigung.
4. Kündigungsfrist und Termin lesen
Unterscheide die Länge der Frist vom möglichen Kündigungstermin. Prüfe vereinbarte Abweichungen und GAV-/NAV-Regeln; gesetzliche Standardfristen gelten nicht unabhängig davon. Eine Vertragsänderung ist nicht allein deshalb wirksam, weil eine Seite sie wünscht.
5. Ferien in Wochen und Arbeitstagen verstehen
Der gesetzliche Mindestanspruch beträgt grundsätzlich vier Wochen pro Dienstjahr, bis zum vollendeten 20. Altersjahr fünf Wochen. Wie viele Arbeitstage das ergibt, hängt von der Verteilung deiner Arbeitswoche ab. Vergleiche den Vertrag mit der SECO-FAQ zu Ferien.
Fiktives Beispiel: Im Angebot steht ein Jahreslohn, im Vertrag zusätzlich ein variabler Bonus. Frage, welcher Betrag garantiert ist und welche Bedingungen für den Bonus gelten, statt beide Beträge ungeprüft als sicheren Lohn zu addieren.
Offene Punkte vor der Unterschrift klären
Notiere zu jeder unklaren Klausel deine Frage und die erhaltene Antwort. Verlange eine verständliche Klärung; bei rechtlichen Zweifeln nutze eine geeignete Beratungsstelle. Bewahre die tatsächlich vereinbarte Fassung auf.


