"Wenn jede Bewerbung perfekt klingt, entscheidet am Ende nicht mehr die fehlerfreie Formulierung, sondern die echte, unkopierbare Relevanz."
Schätzungen zeigen: Weit über 80 Prozent aller Bewerbungen in der Schweiz werden heute unter direktem Einsatz von künstlicher Intelligenz verfasst. HR-Abteilungen von Basel bis Lugano werden von einer Welle makelloser Anschreiben überschwemmt. Doch während die Fehlerquote sinkt, wächst die Skepsis. Was ist eine Bewerbung überhaupt noch wert, wenn ein Algorithmus den gesamten Text in Sekunden ausspucken kann?
Der grosse Einheitsbrei: Wenn alles perfekt und doch seelenlos klingt
Wir erleben gerade eine seltsame Paradoxie auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Noch nie war es so einfach, eine grammatikalisch einwandfreie Bewerbung einzureichen. Doch genau diese Einfachheit führt zu einem massiven Rauschen im System. Personalverantwortliche klagen zunehmend über "synthetische Bewerbungen": Anschreiben, die zwar fehlerfrei sind, aber völlig austauschbar klingen. Sie lesen sich wie ein lauer Aufguss der immer gleichen Floskeln – hochglanzpoliert, aber ohne Ecken, Kanten und vor allem ohne echten Bezug zum Unternehmen.
Wer heute einfach ChatGPT öffnet und sagt "Schreibe mir ein Motivationsschreiben als Projektleiter", erhält genau das: den kleinsten gemeinsamen Nenner. Einen Text, der so auch von tausend anderen Bewerbenden stammen könnte. Dieser unkontrollierte KI-Massen-Spam verstopft die Kanäle und führt dazu, dass Arbeitgeber das Vertrauen in schriftliche Unterlagen verlieren.

Der wahre Wert: Struktur, Klarheit und die eigene Stimme
Bedeutet das, dass die Bewerbung als Ganzes ausgedient hat? Absolut nicht. Doch ihr Wert hat sich verschoben. Früher ging es darum zu beweisen, dass man einen fehlerfreien Brief formulieren kann. Heute geht es darum zu zeigen, dass man kann.

